Zwitschermaschine

März 2008
bis September 2008.

Leipzig.


Mitarbeiter:
Franka Beck
Juliane Meckert
Arne Vogelgesang


Teile:
I. Zur Haltung von Daumen
in geschlossenen Räumen

Pastorale für drei Fernseher mit
Fernbedienung und Kabelanschluss.

1.3.2008, 21:00.

A und V, Lützner Str. 30,
Leipzig-Lindenau.


II. Zwitschermaschine (Muster)
Vorübung für drei Kreativarbeiter,
Publikum & das Fernsehprogramm vom Abend des 1.3.2008.

30.05.2008 20:00,
31.05.2008 20:00,
01.06.2008 20:00.

A und V, Lützner Str. 30,
Leipzig-Lindenau.


III. Zwitschermaschine (Wartung)
DVD, Fernseher, Personal.

19.07. bis 29.08.2008.

*G>R, Universal Cube,
Spinnerei, Leipzig.


IV. Zwitschermaschine (Absage)
Aufstellung für 3 Konditionen,
24 Stunden und Fernsehprogramm.

20.9.2008 12:00 bis
21.9.2008 12:00.

Alte Bonbonmaschinenfabrik,
Dreilindenstr. 4-6,
Leipzig-Lindenau.


Material:
App.1 teil 1
App.1 teil 2
App.2 teil 1
App.2 teil 2
App.3 teil 1
App.3 teil 2

Programm

Wir danken

der Projekt- und Hörgalerie A und V für Spielraum, Strom und das gute Holz, den Gedanken zur Revolution für Raum und Zeit, dem Modellbauzentrum Leipzig für die Grundversorgung, der Gieszer 16 für Leihbares und dem Plan L e.V. für Wasser, Repromedia Leipzig für Unterstützung, KAOS für Kontakt und Hilfe, Thomas Kirsche für Aufnahme samt Studio, dem Fernsehservice Peter Medam in Schleussig für technischen Rat, der Friesen-Apotheke am Lindenauer Markt für Ohrenschutz.

Jens Neubauer, Hilmar Neuroth, Christoph Wirth, Heiko Klandt, Susanne Pommeranz für ihre großzügige Hilfe.

Im März 2008 lud der internil Verein zur Untersuchung sozialer Komposition ein Konzert für drei Fernseher und Kabelanschluss unter dem Titel Zur Haltung von Daumen in geschlossenen Räumen. in der Projekt- und Hörgalerie A und V zu einer Veranstaltung mit dem Titel "Zur Haltung von Daumen in geschlossenen Räumen". Dieses Konzert für drei Fernseher und Kabelanschluss war der Versuch, mit dem im Detail unberechenbaren Fernsehprogramm ad hoc zu komponieren. Wir zappten uns dafür eine halbe Stunde lang durch 32 Kanäle, ohne jedoch das Bild zu sehen. Während uns nur der Ton zur Verfügung stand, um rhythmisch und thematisch aufeinander zu reagieren, konnte das Publikum Publikum – versorgt mit Ohrstöpseln und Kühlbrillen gegen drohende Reizüberflutung – in unserem Rücken auch die drei Fernsehbilder parallel mitverfolgen. Die Video-Aufzeichnung unserer drei Wege durch die Fernsehkanallandschaft bildete das Grundmaterial der Zwitschermaschine.

In den folgenden drei Monaten übersetzten wir dieses Material in Handlungsfragmente. Bei der Unterschiedlichkeit der einzelnen Bruchstücke – von der Verdi-Oper über Spielfilme, Reportagen, Talkshows, Musikvideos, Werbeclips und Verkaufssendungen bis hin zum Eiskunstlauf reicht die Spannweite des Bild- und Tonmaterials – gestaltete sich diese Aufgabe weit schwieriger als das Nachturnen von Fitnessvideos. Die Grundprinzipien der Arbeit an Ein altes Blatt führten wir hier in einem einzigen Material verschärft zusammen. Ende Mai stellten wir die Rohübersetzung dieser halben Stunde vor: Parallel zu den laufenden Originalvideos spielten wir die ‚Theaterfassung‘ in unbereinigter Form. Mit Hochgeschwindigkeit jagten wir durch den Raum von Element zu Element, spielten die Zuschauer mit Thomas Gottschalk, Bierwerbung, Zugunglücken und Skatmeisterschaften an – nie war Fernsehen für uns auch körperlich so anstrengend.

Ab dem Sommer – nach einer kurzen Unterbrechung zur Vorbereitung einer Zusammenarbeit mit befreundeten Kollegen aus Wien für den steirischen herbst 2008 – arbeiteten wir an einer entwickelten, klaren und aufgefalteten Version dieser Rohübersetzung, einer raumgreifenden Choreographie aus Handlungsbruchstücken, Gesten und Verhaltensweisen. Teile dieser Ausarbeitung entstanden als performative Installation im Rahmen der Ausstellung Gedanken zur Revolution auf dem Kunstgelände Spinnerei in Leipzig. Ort der Schlußaufführungen war eine kleine verlassene Werkshalle in Leipzig, die denkmalgeschützte ehemalige Bonbonmaschinenfabrik zwischen Musikalischer Komödie und Theater der Jugend.

Für die Veröffentlichung als 24-Stunden-Performance im September 2008 bauten wir in diese Halle eine Ton- und Lichtinstallation ein. Die Zwitschermaschine sollte einen Tageslauf – von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr mittags – in Betrieb sein, mit unserer wachsen­den Erschöpfung als Teil der Erzählung. Ein Todesfall verhinderte die geplante Aufführung.