0°c

Eine Theaterabkühlung.

1. bis 4. März 2006,
Neue MRS Studiobühne, Wien.

Spiel:
Claudius Körber,
Bettina Schwarz,
Monika Wiedemer.

Bau:
Gabriela Neubauer,
Amélie Tambour,
Arne Vogelgesang.

Konzeption

Eine Videoaufzeichnung der Arbeit können Sie bei uns anfordern.

Die Arbeit mit Schauspielstudierenden des Max-Reinhardt-Seminars in Wien am Ende ihrer Aus­bildungszeit beschäftigte sich mit der Verbindung von schauspieleri­schen und pädagogischen Techniken. Das inszenierte "Stück" war ein Musikstück des japanischen Komponisten Ryoji Ikeda, das mit mathematischer Präzision verschiedene kompositorische Methoden dekliniert, indem es die Aufnahme eines Streichertrios elektronisch bearbeitet. Grundidee der theatralen Umsetzung war die Anwendung der kompositorischen Prinzipien Ikedas auf gestisches Material. Die Spieler/innen hatten die Aufgabe, im gleichen Zeitmaß und der gleichen Struktur zu agieren, ihr Grundmaterial aber waren Videoauf­zeich­nungen der eigenen Aufnahmeprüfung am Schauspielseminar, die sie möglichst exakt nachspielten. Modifikationen waren u.a. die Isolation von Gesten, Haltungen und mimischen Ausdrücken und ihre kontrapunktische Komposition, die sekundengenaue Erzeugung von Emotion oder stark beschleunigtes Vorwärts- und Rückwärtsspielen von Teilen der Szene.

Die Routine wurde zweimal hintereinander gespielt: erst ohne, dann mit Zuspielung der Musikvorlage. Während das Publikum sich beim ersten Durchlauf mit der möglichen Narration beschäftigte, wurden die Härte der Anforderung, die Relativität des „Sinns“ der Repräsentationsfragmente und die Fehler und Vergeblichkeiten der Versu­che erst beim zweiten Mal sichtbar. Die Inszenierung endete nach sich steigernden Anforderungen und wachsender Erschöpfung der Spieler/innen mit einer langen Pas­sage, in der sie nichts anderes mehr taten als das Publikum: Sehen und Hören, Anwesendsein.

0°c setzte die Beschäftigung mit ‚lehrenden‘ Räumen fort, legte den Schwerpunkt aber auf die Funktion von Techniken in pädagogischen Prozessen. Das betraf einerseits die Deklination der theatralen Ausdrucksmittel und das Spiel mit ihrem Verhältnis zu Erzählung und Ausdruck. Anderseits spiegelte die Arbeitsstruktur selbst die Rigidität des Kompositionsprinzip im Verhältnis zum ‚menschlicheren‘ Material wieder – dieses Verhältnis und die darin entstehenden Konflikte waren das eigentliche Thema der Inszenierung. Den SchauspielschülerInnen ermöglichte das Konfrontation mit den Aufzeichnungen ihrer eigenen Aufnahmeprüfungen und deren Durcharbeitung eine spielerische Reflexion auf die eigene handwerkliche Ausbildung, an deren Ende sie standen.